﻿<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Fairness-Stiftung - Blog</title><atom:link href="https://blog.fairness-stiftung.de.de/FSBlogRss.aspx" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>https://blog.fairness-stiftung.de.de/</link><description>Unterstützung für Führungskräfte und Verantwortliche sowie für Unternehmen und Organisationen, die Zielscheibe unfairer Angriffe sind. Beratung und Information zur Steigerung von Fairness-Kompetenz als Führungskompetenz und zur Entwicklung fairer Organisationskultur.</description><lastBuildDate>Tue, 21 Jul 2026 04:03:55 GMT</lastBuildDate><language>de</language><item><title>Fairer Handel ist top - 2025 - und wie wird 2026?</title><author>verlag@action365.de  (Dr. Norbert Copray)</author><link>https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=712</link><category>20.07.2026</category><guid isPermaLink="true">https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=712&amp;20.07.2026 08:17:00</guid><pubDate>Mon, 20 Jul 2026 07:17:00 GMT</pubDate><description>Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, wie das Forum Fairer Handel (FFH) am Dienstag mitteilte. Und damit auf einen Höchststand.  Im Vergleich mit den Nachbarländern Schweiz, Frankreich und Österreich fielen die Ausgaben der Deutschen für Fairhandelsprodukte pro Kopf allerdings teils deutlich geringer aus.

"Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass Fairer Handel gesellschaftlich noch stärker verankert werden kann, wenn Politik, Handel und Zivilgesellschaft die richtigen Rahmenbedingungen schaffen", erklärte FFH-Geschäftsführer Matthias Fiedler. Hierzulande gaben Verbraucherinnen und Verbraucher den Angaben nach 2025 im Schnitt 33 Euro pro Kopf für Produkte aus fairem Handel aus. In der Schweiz seien es allein für Waren mit dem Fairtrade-Siegel 129 Euro pro Kopf gewesen, in Österreich 88 Euro.

Das Fairtrade-Kontrollsystem ist eines von mehreren, daneben gibt es noch weitere Zertifizierungen wie etwa die der World Fair Trade Organisation (WFTO) oder Naturland Fair. In Deutschland machen Fairtrade-gesiegelte Produkte den FFH-Angaben nach 83,8 Prozent des Gesamtumsatzes im fairen Handel aus.

In Frankreich gaben Kundinnen und Kunden rund 47 Euro pro Kopf für Produkte aus fairem Handel aus, wie das FFH weiter mitteilte. Dort seien landwirtschaftliche Produkte mit einem Fairhandelssiegel aus dem eigenen Land besonders beliebt.

In Deutschland belief sich der Umsatz mit fairen Produkten aus dem Inland und Europa 2025 auf 157 Millionen Euro und ging damit um fünf Prozent zurück, erklärte das FFH. Das sei aber "auf individuelle Faktoren bei einzelnen Naturland Fair-Betrieben zurückzuführen und bedeutet keine Trendwende".

Die Vorstandsvorsitzende des Verbands, Andrea Fütterer, gab an, die wirtschaftliche Entwicklung des fairen Handels in Deutschland "stimmt uns optimistisch". Die politische Bilanz falle aber "kritischer" aus: Faire Handelsbeziehungen und der Schutz von Umwelt- und Menschenrechten geraten Fütterer zufolge "in Deutschland und der EU zunehmend unter Druck, während die Machtkonzentration in vielen Lieferketten auf Kosten der Produzierenden wächst".

Der Verband forderte, "Marktmacht im Lebensmitteleinzelhandel und in globalen Lieferketten wirksam zu begrenzen, faire Preise gesetzlich zu verankern, Schutzstandards zu erhalten". Auch sollten ihm zufolge Unternehmen gestärkt werden, "die Verantwortung zum Kern ihres Geschäftsmodells machen".

Quelle: ntv.de, AFP</description><content:encoded><![CDATA[Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, wie das Forum Fairer Handel (FFH) am Dienstag mitteilte. Und damit auf einen Höchststand.  Im Vergleich mit den Nachbarländern Schweiz, Frankreich und Österreich fielen die Ausgaben der Deutschen für Fairhandelsprodukte pro Kopf allerdings teils deutlich geringer aus.

"Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass Fairer Handel gesellschaftlich noch stärker verankert werden kann, wenn Politik, Handel und Zivilgesellschaft die richtigen Rahmenbedingungen schaffen", erklärte FFH-Geschäftsführer Matthias Fiedler. Hierzulande gaben Verbraucherinnen und Verbraucher den Angaben nach 2025 im Schnitt 33 Euro pro Kopf für Produkte aus fairem Handel aus. In der Schweiz seien es allein für Waren mit dem Fairtrade-Siegel 129 Euro pro Kopf gewesen, in Österreich 88 Euro.

Das Fairtrade-Kontrollsystem ist eines von mehreren, daneben gibt es noch weitere Zertifizierungen wie etwa die der World Fair Trade Organisation (WFTO) oder Naturland Fair. In Deutschland machen Fairtrade-gesiegelte Produkte den FFH-Angaben nach 83,8 Prozent des Gesamtumsatzes im fairen Handel aus.

In Frankreich gaben Kundinnen und Kunden rund 47 Euro pro Kopf für Produkte aus fairem Handel aus, wie das FFH weiter mitteilte. Dort seien landwirtschaftliche Produkte mit einem Fairhandelssiegel aus dem eigenen Land besonders beliebt.

In Deutschland belief sich der Umsatz mit fairen Produkten aus dem Inland und Europa 2025 auf 157 Millionen Euro und ging damit um fünf Prozent zurück, erklärte das FFH. Das sei aber "auf individuelle Faktoren bei einzelnen Naturland Fair-Betrieben zurückzuführen und bedeutet keine Trendwende".

Die Vorstandsvorsitzende des Verbands, Andrea Fütterer, gab an, die wirtschaftliche Entwicklung des fairen Handels in Deutschland "stimmt uns optimistisch". Die politische Bilanz falle aber "kritischer" aus: Faire Handelsbeziehungen und der Schutz von Umwelt- und Menschenrechten geraten Fütterer zufolge "in Deutschland und der EU zunehmend unter Druck, während die Machtkonzentration in vielen Lieferketten auf Kosten der Produzierenden wächst".

Der Verband forderte, "Marktmacht im Lebensmitteleinzelhandel und in globalen Lieferketten wirksam zu begrenzen, faire Preise gesetzlich zu verankern, Schutzstandards zu erhalten". Auch sollten ihm zufolge Unternehmen gestärkt werden, "die Verantwortung zum Kern ihres Geschäftsmodells machen".

Quelle: ntv.de, AFP<br /><a href='https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=712'>https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=712</a>]]></content:encoded></item><item><title>Schutz gegen unfairen Wettbewerb verlangt</title><author>verlag@action365.de  (Dr. Norbert Copray)</author><link>https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=711</link><category>16.07.2026</category><guid isPermaLink="true">https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=711&amp;16.07.2026 10:18:00</guid><pubDate>Thu, 16 Jul 2026 09:18:00 GMT</pubDate><description>Deutschlands Maschinen- und Anlagenbau verlangt einen besseren Schutz vor unfairem Wettbewerb aus China. Der Branchenverband VDMA hat ein entsprechendes Positionspapier aus dem vergangenen Sommer verschärft.

Neu ist die Forderung nach Ausgleichszöllen auf Ebene der Warengruppen, wenn entsprechende Indizien für unfaire Wettbewerbspraktiken vorliegen. Derzeit untersuche die EU-Kommission Wettbewerbsverzerrungen bei jedem Produkt einzeln, statt beispielsweise in der Warengruppe Baumaschinen. „Es würde Jahrzehnte dauern, bis alle unfairen Wettbewerbsvorteile ausgeglichen sind. So viel Zeit haben wir nicht“, sagt VDMA-Außenwirtschafter Oliver Richtberg.

Nach den Vorstellungen der Industrie müsse die Europäische Union zudem eine Beweislastumkehr bei Ausgleichszöllen prüfen. Die Wettbewerbsverzerrungen Chinas und chinesischer Unternehmen seien längst umfassend dokumentiert. „Deshalb sollten bei hinreichenden Hinweisen betroffene chinesische Unternehmen nachweisen müssen, dass sie nicht von diesen unfairen Vorteilen profitieren“, sagt Richtberg.

China hat Deutschland als weltweit führenden Maschinenbauexporteur abgelöst. Vom Staat mit hohen Subventionen unterstützt, bieten die chinesischen Hersteller inzwischen auch technologisch anspruchsvolle Anlagen zu niedrigen Preisen.

Neben wirksameren EU-Zollregularien erhebt der VDMA auch innenpolitische Forderungen, etwa zu Bürokratieabbau und Steuerentlastungen. Strategisch relevante Technologien sollten industriepolitisch unterstützt werden.

dpa</description><content:encoded><![CDATA[Deutschlands Maschinen- und Anlagenbau verlangt einen besseren Schutz vor unfairem Wettbewerb aus China. Der Branchenverband VDMA hat ein entsprechendes Positionspapier aus dem vergangenen Sommer verschärft.

Neu ist die Forderung nach Ausgleichszöllen auf Ebene der Warengruppen, wenn entsprechende Indizien für unfaire Wettbewerbspraktiken vorliegen. Derzeit untersuche die EU-Kommission Wettbewerbsverzerrungen bei jedem Produkt einzeln, statt beispielsweise in der Warengruppe Baumaschinen. „Es würde Jahrzehnte dauern, bis alle unfairen Wettbewerbsvorteile ausgeglichen sind. So viel Zeit haben wir nicht“, sagt VDMA-Außenwirtschafter Oliver Richtberg.

Nach den Vorstellungen der Industrie müsse die Europäische Union zudem eine Beweislastumkehr bei Ausgleichszöllen prüfen. Die Wettbewerbsverzerrungen Chinas und chinesischer Unternehmen seien längst umfassend dokumentiert. „Deshalb sollten bei hinreichenden Hinweisen betroffene chinesische Unternehmen nachweisen müssen, dass sie nicht von diesen unfairen Vorteilen profitieren“, sagt Richtberg.

China hat Deutschland als weltweit führenden Maschinenbauexporteur abgelöst. Vom Staat mit hohen Subventionen unterstützt, bieten die chinesischen Hersteller inzwischen auch technologisch anspruchsvolle Anlagen zu niedrigen Preisen.

Neben wirksameren EU-Zollregularien erhebt der VDMA auch innenpolitische Forderungen, etwa zu Bürokratieabbau und Steuerentlastungen. Strategisch relevante Technologien sollten industriepolitisch unterstützt werden.

dpa<br /><a href='https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=711'>https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=711</a>]]></content:encoded></item><item><title>Der schwierige Umgang mit Rassismus - auch im Journalismus</title><author>verlag@action365.de  (Dr. Norbert Copray)</author><link>https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=710</link><category>13.07.2026</category><guid isPermaLink="true">https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=710&amp;13.07.2026 07:30:00</guid><pubDate>Mon, 13 Jul 2026 06:30:00 GMT</pubDate><description>„Hinschauen ist das Wichtigste“

Das Kitt Kollektiv hat eine Befragung zu Rassismus in deutschen Redaktionen gemacht. Das Ergebnis: 90 Prozent der Befragten sind betroffen. Sarah Zaheer erzählt in der taz , was Medienhäuser verändern müssen, damit sich was bessert

Interview von Ann-Kathrin Leclère (taz)

taz: 90 Prozent der People of Colour oder mit Migrationsgeschichte in Redaktionen haben Rassismus erlebt. Das ist das Ergebnis eurer Befragung von 200 Personen in Redak­tio­nen. Wart ihr vom Ergebnis überrascht?

Sarah Zaheer: Es ist auf jeden Fall schockierend und sollte zu denken geben. Für mich persönlich ist es aber nicht überraschend, weil ich von vielen Kol­leg*in­nen­ Ge­schich­ten gehört habe und Redaktionsdynamiken selbst kenne. Aber ich finde es wichtig, dass diese Zahl jetzt da ist. Sie ist nicht repräsentativ, aber sie zeigt deutlich, dass es ein strukturelles Problem gibt. Und ich hoffe, dass unsere Recherche dazu führt, dass Rassismus und Diskriminierung wieder mehr in den Blick geraten.

taz: Wie seid ihr das als journalistisches Kollektiv angegangen?

Zaheer: Wir starteten mit dem Gefühl, dass es zu wenig Diskurs in unserer Branche über die Erfahrungen von Menschen mit Migrationsgeschichte gibt. Die Diversitätsdebatten sind dabei stehen geblieben, dass viele Redaktionen sagen: Wir wollen vielfältig sein. Niemand weiß aber, wie es den Leuten in den Redaktionen dann wirklich geht, weil das bisher nicht erfasst wurde. Deshalb haben wir uns entschieden, mit Betroffenen zu sprechen und es erstmals abzubilden.

taz: Wie war die Resonanz?

Zaheer: Wir haben eine Onlineumfrage über Newsletter, Social Media und unsere Kontakte in verschiedene Redaktionen verbreitet. Am Ende haben über 200 Menschen mit Migrationsgeschichte und/oder Jour­na­list*in­nen of Color aus sehr unterschiedlichen Redaktionen an der Umfrage teilgenommen. Uns hat überrascht, dass so viele bereit waren, mit uns vertiefend zu sprechen. Das haben wir dann mit 19 Personen gemacht, um noch mal die genauen Pro­ble­me herauszuarbeiten.

taz: Was für Probleme sind das?

Zaheer: Viele haben berichtet, dass sie oft eine Rolle des Korrektivs einnehmen. Etwa, dass sie eingreifen, wenn bei der Themenauswahl oder der Auswahl der Prot­ago­nist*in­nen für einen Text rassistische Stereotype oder Bilder eine Rolle spielen. Auch hatten viele das Gefühl, sie müssten Themen etwa aus ihren Communitys oder solche, die Rassismus oder Migration betreffen, selbst angehen, also zu unfreiwilligen Ex­pert*in­nen werden. Eine Person hat etwa berichtet, dass sie an ihrem ersten Praktikumstag gefragt wurde, ob sie nicht etwas zum Ramadan machen wolle, weil sie schließlich aus Syrien komme. Die Erfahrungen reichen von Mikroaggressionen über Beleidigungen bis hin zu beruflichen Nachteilen. Menschen mit eigener Flucht- oder Migrationsbiografie haben es oftmals noch schwerer.

taz: Welche Schwächen habt ihr in den Redaktionen ge­funden?

Zaheer: Wir haben nach Kenntnissen über Beschwerdestellen gefragt, etwa Antidiskriminierungsstellen. Da wussten knapp 50 Prozent der Befragten nicht, was eine Beschwerdestelle konkret erreichen könnte, und etwa einem Drittel war nicht bekannt, ob es so etwas an ihrem Arbeitsplatz gibt. Und es haben sich bisher total wenig Leute an so eine Stelle gewandt. Wir haben in den Interviews gemerkt, dass da eine große Hemmung besteht. Etwa, weil sie schon von anderen Fällen mitbekommen haben, dass es nichts gebracht hat. Und wenn sich Betroffene an eine Stelle gewandt haben, seien sie oftmals nicht ernst genommen worden, oder es wurde versucht, sie zu beschwichtigen, rassistische Aussagen wurden heruntergespielt. Und das führt natürlich dazu, dass sich viele entmutigt fühlen und manche sich aus der gesamten Branche zurückziehen. Die wirklich allerwenigsten haben eine gute Erfahrung gemacht.

taz: Sind diese Probleme den Redaktionen bewusst?

Zaheer: 54 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie eine Sensibilität nur durch einzelne Kol­leg*in­nen erfahren haben. Das Problembewusstsein für Strukturen, die Rassismus und Diskriminierung begünstigen, ist also nicht vollständig da. Als Jour­na­list*in­nen schauen wir lieber auf andere Branchen und Felder und fragen uns, was dort schiefläuft, anstatt uns zu fragen: Was machen wir falsch? Das wird zumindest nicht priorisiert.

taz: Befragte berichten, die Relevanz bestimmter Themen häufig rechtfertigen zu müssen. Gehört diese Abwägung und Prüfung nicht grundsätzlich zur redaktionellen Arbeit? Woraus leitet ihr ab, dass diskriminierte Jour­na­list­*innen häufiger betroffen sind?

Zaheer: Viele Befragten nehmen es so wahr, dass sie zum Beispiel viel mehr Übersetzungsarbeit leisten müssen, um verstanden zu werden. Weil noch nicht überall angekommen ist, dass migrantische Communitys Teil der Zielgruppe sind und mit Nachrichten versorgt werden müssen. Auch das ist Teil des journalistischen Auftrags. Da müssen Journalistinnen mit Migrationsgeschichte zusätzliche Arbeit leisten, wenn sie erklären, warum die Themen relevant sind. Uns hat etwa eine Person berichtet, dass sie sich fühlt wie die Pressesprecherin der „Antirassismus Foundation“.

taz: Woran liegt das?

Zaheer: Daran, dass Redak­tio­nen nicht divers genug besetzt sind. Wenn wir die Lebensrealitäten vieler Menschen in den Redaktionen hätten, dann wäre das eher Normalität. Aber an dem Punkt sind wir auf jeden Fall noch nicht. Das führt dazu, dass diese Jour­na­list*in­nen einen doppelten Kampf führen. Das ist sehr belastend, über Rassismus aufklären zu müssen, wenn man selbst davon betroffen ist. Viele haben berichtet, dass sie sich dadurch ausgebrannt, unverstanden und nicht zugehörig fühlen.

taz: Diese Probleme gibt es, seitdem es Redaktionen gibt. Was hat sich verändert?

Zaheer: In den letzten Jahren ist ein großes Bewusstsein dafür entstanden, dass es mehr Vielfalt in den Redaktionen braucht. Deswegen gibt es inzwischen viele Programme. Oder es wird etwa mehr in Stellenausschreibungen hineingeschrieben, dass man Diversität im Unternehmen begrüße. Die Verbesserung bei den Zugangsvoraussetzungen ist eine gute Entwicklung. Da ist es aber stehen geblieben.

taz: Und die Folgen vom Stillstand?

Zaheer: Es kommen zwar mehr Leute dazu, aber sie gehen auch schnell wieder, weil sie entweder ausgebrannt sind oder sagen, dass sie sich so was nicht geben wollen. Wenn der Anspruch an Diversität wirklich ernst gemeint ist, müssen Medienhäuser ihre etablierten Strukturen und Redaktionskulturen hinterfragen und verändern. Es ist eine gesetzliche Verpflichtung, die Medienhäuser genauso wie andere Unternehmen haben, dass sie ihre Mitarbeitenden vor Diskriminierung schützen ­müssen. Wir haben also in unserer Befragung eine symbolische Diversität nach außen gefunden, aber es bleibt noch viel zu tun.

taz: Wie könnten bessere Strukturen in Redaktionen aussehen?

Zaheer: Nicht wegzuschauen, ist der wichtigste Schritt. Es braucht außerdem eine offene Fehlerkultur und das Anerkennen, dass Rassismus allgegenwärtig ist. Es gilt zu schauen, wo es Strukturen gibt, die manche Personen begünstigen und andere nicht. Und Redaktionen müssen lernen, darüber zu sprechen. Dazu braucht es Weiterbildungen, vielleicht muss eine externe Unterstützung herangezogen werden, um solche Prozesse anzustoßen. Das kann je nach Mitteln und Größe von Redaktionen sehr unterschiedlich aussehen.


taz: Die Befragten beschreiben aber, dass Mitarbeitende, die selbst nicht von Rassismus betroffen sind, häufig mit Abwehr reagieren.

Zaheer: Über 30 Prozent der Befragten im Report haben angegeben, dass sie nicht mit Kolleginnen über Rassismuserfahrungen am Arbeitsplatz sprechen können oder wollen. Und über 20 Prozent haben gesagt, dass sie das Gefühl haben, es gebe gar keine Sensibilität dafür im Kollegium. Mittlerweile gibt es Fortbildungsangebote, wie man nicht in die Defensive geht, sondern Betroffenen erst mal zuhören kann; und wie man es in Momenten, in denen etwas passiert, schafft, die Stimme zu erheben und solidarisch zu sein. Außerdem ist es wichtig, die eigene Position, die man in einem Team hat, zu nutzen, um etwa Rassismus zu benennen, oder Kol­leg*in­nen in ihren Themen­ideen zu unterstützen.

taz: Welche Aufgabe haben Führungskräfte dabei?

Zaheer: Die müssen sicherstellen, dass es ihren Mitarbei­tenden gut geht und sie sicher am Arbeitsplatz sind. Deswegen ist es natürlich wichtig, dass sie da mit einem guten Beispiel vo­ran­gehen. Sie sollten konsequenter sein, etwa in Re­dak­tions­konferenzen, wenn rassistische Äußerungen getätigt werden. Bisher gibt es kaum fest installierte Antirassismusbeauftragte, die unabhängig arbeiten und dafür geschult sind. Solche Personen müssen natürlich Geschäftsführer installieren.

taz: Wie können Menschen, die nicht von Rassismus betroffen sind, sonst helfen?

Zaheer: Die Frage würde ich gerne zurückstellen. Wie wird denn bei euch intern über Rassismus gesprochen? Ist unsere Befragung ein Auslöser? Wir freuen uns natürlich, dass einige Medien über unsere Recherche berichten. Aber ich würde mich mehr darüber freuen, wenn Redaktionen erst mal in sich gingen und sich fragten: Okay, was heißt das für uns? Wie geht es unseren Kol­leg*in­nen of Color oder mit Migrationsgeschichte?

Sarah Zaheerist freie Journalistin unter anderem für den RBB, „fluter“ und taz und Teil des Kitt Kollektivs.
Kitt. Das FLINTA*-Kollektiv für kritischen, wohlwollenden und solidarischen Journalismus. Kitt steht sinnbildlich für das Reparieren oder Wieder-Zusammenfügen von etwas, das kaputt gegangen oder zerbrochen ist. Kitt verbindet und hält zusammen. Auch dafür stehen wir mit unserem Kollektiv. 
Wir arbeiten frei und fest als (Investigativ-) Journalist*innen, Redakteur*innen, Autor*innen, Reporter*innen und Moderator*innen für Print-, Online-, Bewegtbild- und Audioformate.
</description><content:encoded><![CDATA[„Hinschauen ist das Wichtigste“

Das Kitt Kollektiv hat eine Befragung zu Rassismus in deutschen Redaktionen gemacht. Das Ergebnis: 90 Prozent der Befragten sind betroffen. Sarah Zaheer erzählt in der taz , was Medienhäuser verändern müssen, damit sich was bessert

Interview von Ann-Kathrin Leclère (taz)

taz: 90 Prozent der People of Colour oder mit Migrationsgeschichte in Redaktionen haben Rassismus erlebt. Das ist das Ergebnis eurer Befragung von 200 Personen in Redak­tio­nen. Wart ihr vom Ergebnis überrascht?

Sarah Zaheer: Es ist auf jeden Fall schockierend und sollte zu denken geben. Für mich persönlich ist es aber nicht überraschend, weil ich von vielen Kol­leg*in­nen­ Ge­schich­ten gehört habe und Redaktionsdynamiken selbst kenne. Aber ich finde es wichtig, dass diese Zahl jetzt da ist. Sie ist nicht repräsentativ, aber sie zeigt deutlich, dass es ein strukturelles Problem gibt. Und ich hoffe, dass unsere Recherche dazu führt, dass Rassismus und Diskriminierung wieder mehr in den Blick geraten.

taz: Wie seid ihr das als journalistisches Kollektiv angegangen?

Zaheer: Wir starteten mit dem Gefühl, dass es zu wenig Diskurs in unserer Branche über die Erfahrungen von Menschen mit Migrationsgeschichte gibt. Die Diversitätsdebatten sind dabei stehen geblieben, dass viele Redaktionen sagen: Wir wollen vielfältig sein. Niemand weiß aber, wie es den Leuten in den Redaktionen dann wirklich geht, weil das bisher nicht erfasst wurde. Deshalb haben wir uns entschieden, mit Betroffenen zu sprechen und es erstmals abzubilden.

taz: Wie war die Resonanz?

Zaheer: Wir haben eine Onlineumfrage über Newsletter, Social Media und unsere Kontakte in verschiedene Redaktionen verbreitet. Am Ende haben über 200 Menschen mit Migrationsgeschichte und/oder Jour­na­list*in­nen of Color aus sehr unterschiedlichen Redaktionen an der Umfrage teilgenommen. Uns hat überrascht, dass so viele bereit waren, mit uns vertiefend zu sprechen. Das haben wir dann mit 19 Personen gemacht, um noch mal die genauen Pro­ble­me herauszuarbeiten.

taz: Was für Probleme sind das?

Zaheer: Viele haben berichtet, dass sie oft eine Rolle des Korrektivs einnehmen. Etwa, dass sie eingreifen, wenn bei der Themenauswahl oder der Auswahl der Prot­ago­nist*in­nen für einen Text rassistische Stereotype oder Bilder eine Rolle spielen. Auch hatten viele das Gefühl, sie müssten Themen etwa aus ihren Communitys oder solche, die Rassismus oder Migration betreffen, selbst angehen, also zu unfreiwilligen Ex­pert*in­nen werden. Eine Person hat etwa berichtet, dass sie an ihrem ersten Praktikumstag gefragt wurde, ob sie nicht etwas zum Ramadan machen wolle, weil sie schließlich aus Syrien komme. Die Erfahrungen reichen von Mikroaggressionen über Beleidigungen bis hin zu beruflichen Nachteilen. Menschen mit eigener Flucht- oder Migrationsbiografie haben es oftmals noch schwerer.

taz: Welche Schwächen habt ihr in den Redaktionen ge­funden?

Zaheer: Wir haben nach Kenntnissen über Beschwerdestellen gefragt, etwa Antidiskriminierungsstellen. Da wussten knapp 50 Prozent der Befragten nicht, was eine Beschwerdestelle konkret erreichen könnte, und etwa einem Drittel war nicht bekannt, ob es so etwas an ihrem Arbeitsplatz gibt. Und es haben sich bisher total wenig Leute an so eine Stelle gewandt. Wir haben in den Interviews gemerkt, dass da eine große Hemmung besteht. Etwa, weil sie schon von anderen Fällen mitbekommen haben, dass es nichts gebracht hat. Und wenn sich Betroffene an eine Stelle gewandt haben, seien sie oftmals nicht ernst genommen worden, oder es wurde versucht, sie zu beschwichtigen, rassistische Aussagen wurden heruntergespielt. Und das führt natürlich dazu, dass sich viele entmutigt fühlen und manche sich aus der gesamten Branche zurückziehen. Die wirklich allerwenigsten haben eine gute Erfahrung gemacht.

taz: Sind diese Probleme den Redaktionen bewusst?

Zaheer: 54 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie eine Sensibilität nur durch einzelne Kol­leg*in­nen erfahren haben. Das Problembewusstsein für Strukturen, die Rassismus und Diskriminierung begünstigen, ist also nicht vollständig da. Als Jour­na­list*in­nen schauen wir lieber auf andere Branchen und Felder und fragen uns, was dort schiefläuft, anstatt uns zu fragen: Was machen wir falsch? Das wird zumindest nicht priorisiert.

taz: Befragte berichten, die Relevanz bestimmter Themen häufig rechtfertigen zu müssen. Gehört diese Abwägung und Prüfung nicht grundsätzlich zur redaktionellen Arbeit? Woraus leitet ihr ab, dass diskriminierte Jour­na­list­*innen häufiger betroffen sind?

Zaheer: Viele Befragten nehmen es so wahr, dass sie zum Beispiel viel mehr Übersetzungsarbeit leisten müssen, um verstanden zu werden. Weil noch nicht überall angekommen ist, dass migrantische Communitys Teil der Zielgruppe sind und mit Nachrichten versorgt werden müssen. Auch das ist Teil des journalistischen Auftrags. Da müssen Journalistinnen mit Migrationsgeschichte zusätzliche Arbeit leisten, wenn sie erklären, warum die Themen relevant sind. Uns hat etwa eine Person berichtet, dass sie sich fühlt wie die Pressesprecherin der „Antirassismus Foundation“.

taz: Woran liegt das?

Zaheer: Daran, dass Redak­tio­nen nicht divers genug besetzt sind. Wenn wir die Lebensrealitäten vieler Menschen in den Redaktionen hätten, dann wäre das eher Normalität. Aber an dem Punkt sind wir auf jeden Fall noch nicht. Das führt dazu, dass diese Jour­na­list*in­nen einen doppelten Kampf führen. Das ist sehr belastend, über Rassismus aufklären zu müssen, wenn man selbst davon betroffen ist. Viele haben berichtet, dass sie sich dadurch ausgebrannt, unverstanden und nicht zugehörig fühlen.

taz: Diese Probleme gibt es, seitdem es Redaktionen gibt. Was hat sich verändert?

Zaheer: In den letzten Jahren ist ein großes Bewusstsein dafür entstanden, dass es mehr Vielfalt in den Redaktionen braucht. Deswegen gibt es inzwischen viele Programme. Oder es wird etwa mehr in Stellenausschreibungen hineingeschrieben, dass man Diversität im Unternehmen begrüße. Die Verbesserung bei den Zugangsvoraussetzungen ist eine gute Entwicklung. Da ist es aber stehen geblieben.

taz: Und die Folgen vom Stillstand?

Zaheer: Es kommen zwar mehr Leute dazu, aber sie gehen auch schnell wieder, weil sie entweder ausgebrannt sind oder sagen, dass sie sich so was nicht geben wollen. Wenn der Anspruch an Diversität wirklich ernst gemeint ist, müssen Medienhäuser ihre etablierten Strukturen und Redaktionskulturen hinterfragen und verändern. Es ist eine gesetzliche Verpflichtung, die Medienhäuser genauso wie andere Unternehmen haben, dass sie ihre Mitarbeitenden vor Diskriminierung schützen ­müssen. Wir haben also in unserer Befragung eine symbolische Diversität nach außen gefunden, aber es bleibt noch viel zu tun.

taz: Wie könnten bessere Strukturen in Redaktionen aussehen?

Zaheer: Nicht wegzuschauen, ist der wichtigste Schritt. Es braucht außerdem eine offene Fehlerkultur und das Anerkennen, dass Rassismus allgegenwärtig ist. Es gilt zu schauen, wo es Strukturen gibt, die manche Personen begünstigen und andere nicht. Und Redaktionen müssen lernen, darüber zu sprechen. Dazu braucht es Weiterbildungen, vielleicht muss eine externe Unterstützung herangezogen werden, um solche Prozesse anzustoßen. Das kann je nach Mitteln und Größe von Redaktionen sehr unterschiedlich aussehen.


taz: Die Befragten beschreiben aber, dass Mitarbeitende, die selbst nicht von Rassismus betroffen sind, häufig mit Abwehr reagieren.

Zaheer: Über 30 Prozent der Befragten im Report haben angegeben, dass sie nicht mit Kolleginnen über Rassismuserfahrungen am Arbeitsplatz sprechen können oder wollen. Und über 20 Prozent haben gesagt, dass sie das Gefühl haben, es gebe gar keine Sensibilität dafür im Kollegium. Mittlerweile gibt es Fortbildungsangebote, wie man nicht in die Defensive geht, sondern Betroffenen erst mal zuhören kann; und wie man es in Momenten, in denen etwas passiert, schafft, die Stimme zu erheben und solidarisch zu sein. Außerdem ist es wichtig, die eigene Position, die man in einem Team hat, zu nutzen, um etwa Rassismus zu benennen, oder Kol­leg*in­nen in ihren Themen­ideen zu unterstützen.

taz: Welche Aufgabe haben Führungskräfte dabei?

Zaheer: Die müssen sicherstellen, dass es ihren Mitarbei­tenden gut geht und sie sicher am Arbeitsplatz sind. Deswegen ist es natürlich wichtig, dass sie da mit einem guten Beispiel vo­ran­gehen. Sie sollten konsequenter sein, etwa in Re­dak­tions­konferenzen, wenn rassistische Äußerungen getätigt werden. Bisher gibt es kaum fest installierte Antirassismusbeauftragte, die unabhängig arbeiten und dafür geschult sind. Solche Personen müssen natürlich Geschäftsführer installieren.

taz: Wie können Menschen, die nicht von Rassismus betroffen sind, sonst helfen?

Zaheer: Die Frage würde ich gerne zurückstellen. Wie wird denn bei euch intern über Rassismus gesprochen? Ist unsere Befragung ein Auslöser? Wir freuen uns natürlich, dass einige Medien über unsere Recherche berichten. Aber ich würde mich mehr darüber freuen, wenn Redaktionen erst mal in sich gingen und sich fragten: Okay, was heißt das für uns? Wie geht es unseren Kol­leg*in­nen of Color oder mit Migrationsgeschichte?

Sarah Zaheerist freie Journalistin unter anderem für den RBB, „fluter“ und taz und Teil des Kitt Kollektivs.
Kitt. Das FLINTA*-Kollektiv für kritischen, wohlwollenden und solidarischen Journalismus. Kitt steht sinnbildlich für das Reparieren oder Wieder-Zusammenfügen von etwas, das kaputt gegangen oder zerbrochen ist. Kitt verbindet und hält zusammen. Auch dafür stehen wir mit unserem Kollektiv. 
Wir arbeiten frei und fest als (Investigativ-) Journalist*innen, Redakteur*innen, Autor*innen, Reporter*innen und Moderator*innen für Print-, Online-, Bewegtbild- und Audioformate.
<br /><a href='https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=710'>https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=710</a>]]></content:encoded></item><item><title>Lieferkettengesetz erst geschrumpft und dann marginalisiert</title><author>verlag@action365.de  (Dr. Norbert Copray)</author><link>https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=709</link><category>09.07.2026</category><guid isPermaLink="true">https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=709&amp;09.07.2026 07:15:00</guid><pubDate>Thu, 09 Jul 2026 06:15:00 GMT</pubDate><description>In der Sitzung des Koalitionsausschusses vom 1.7.26 haben die Parteispitzen von CDU/CSU und SPD beschlossen, den Anwendungsbereich des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) im Rahmen der CSDDD-Umsetzung massiv einschränken zu wollen – ein potentiell rechtswidriger Schritt mit weitreichenden Folgen für den Schutz von Menschenrechten und Umwelt.

Die Initiative Lieferkettengesetz kritisiert diesen Beschluss aufs Schärfste. Mit einer Anpassung an den Anwendungsbereich der EU-Lieferkettenrichtlinie würde das Lieferkettengesetz nur noch für Unternehmen ab 5.000 Beschäftigten und einem jährlichen Nettoumsatz von 1,5 Mrd. Euro gelten, womit etwa 95 Prozent der bisher vom LkSG erfassten deutschen Unternehmen vom Gesetz ausgenommen wären. Das Gesetz gälte dann nur noch für schätzungsweise 150 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland. 

Rückschrittsverbote sowohl des Völker- als auch Europarechts machen eine solche Absenkung nach Einschätzung juristischer Expert*innen aller Wahrscheinlichkeit nach rechtswidrig, da dadurch der Schutz von Menschenrechten stark eingeschränkt würde. 

Sofie Kreusch, Koordinatorin der Initiative Lieferkettengesetz, kommentiert: „Das Lieferkettengesetz wirkt. Arbeiter*innen und Gewerkschaften weltweit konnten mit dessen Hilfe bereits zahlreiche Erfolge für bessere Arbeitsbedingungen erkämpfen. Eine Absenkung des Anwendungsbereichs nähme vielen Betroffenen genau diese Möglichkeit und ist damit ein Schlag ins Gesicht aller Gewerkschaften und Arbeiter*innen weltweit. Wie die SPD-Spitze dem zustimmen kann, ist nicht nachvollziehbar.

Bundeskanzler Merz gibt vor, damit im Sinne der deutschen Wirtschaft zu handeln. Doch der Beschluss ist reine Symbolpolitik: Die eigentlichen Ursachen der wirtschaftlichen Schwäche in Deutschland – etwa marode Infrastruktur, Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und ausbleibende Investitionen – werden damit nicht ansatzweise angegangen. Stattdessen schafft die Bundesregierung neue Unsicherheit für genau jene Unternehmen, die in den letzten Jahren erhebliche Investitionen in den Aufbau rechtssicherer Sorgfaltsstrukturen getätigt haben.“ 


Pressekontakt: +49 (0)30 577132890, presse[at]lieferkettengesetz.de</description><content:encoded><![CDATA[In der Sitzung des Koalitionsausschusses vom 1.7.26 haben die Parteispitzen von CDU/CSU und SPD beschlossen, den Anwendungsbereich des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) im Rahmen der CSDDD-Umsetzung massiv einschränken zu wollen – ein potentiell rechtswidriger Schritt mit weitreichenden Folgen für den Schutz von Menschenrechten und Umwelt.

Die Initiative Lieferkettengesetz kritisiert diesen Beschluss aufs Schärfste. Mit einer Anpassung an den Anwendungsbereich der EU-Lieferkettenrichtlinie würde das Lieferkettengesetz nur noch für Unternehmen ab 5.000 Beschäftigten und einem jährlichen Nettoumsatz von 1,5 Mrd. Euro gelten, womit etwa 95 Prozent der bisher vom LkSG erfassten deutschen Unternehmen vom Gesetz ausgenommen wären. Das Gesetz gälte dann nur noch für schätzungsweise 150 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland. 

Rückschrittsverbote sowohl des Völker- als auch Europarechts machen eine solche Absenkung nach Einschätzung juristischer Expert*innen aller Wahrscheinlichkeit nach rechtswidrig, da dadurch der Schutz von Menschenrechten stark eingeschränkt würde. 

Sofie Kreusch, Koordinatorin der Initiative Lieferkettengesetz, kommentiert: „Das Lieferkettengesetz wirkt. Arbeiter*innen und Gewerkschaften weltweit konnten mit dessen Hilfe bereits zahlreiche Erfolge für bessere Arbeitsbedingungen erkämpfen. Eine Absenkung des Anwendungsbereichs nähme vielen Betroffenen genau diese Möglichkeit und ist damit ein Schlag ins Gesicht aller Gewerkschaften und Arbeiter*innen weltweit. Wie die SPD-Spitze dem zustimmen kann, ist nicht nachvollziehbar.

Bundeskanzler Merz gibt vor, damit im Sinne der deutschen Wirtschaft zu handeln. Doch der Beschluss ist reine Symbolpolitik: Die eigentlichen Ursachen der wirtschaftlichen Schwäche in Deutschland – etwa marode Infrastruktur, Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und ausbleibende Investitionen – werden damit nicht ansatzweise angegangen. Stattdessen schafft die Bundesregierung neue Unsicherheit für genau jene Unternehmen, die in den letzten Jahren erhebliche Investitionen in den Aufbau rechtssicherer Sorgfaltsstrukturen getätigt haben.“ 


Pressekontakt: +49 (0)30 577132890, presse[at]lieferkettengesetz.de<br /><a href='https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=709'>https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=709</a>]]></content:encoded></item><item><title>Warum dauert das Gesetz so lange, Frau Prien?</title><author>verlag@action365.de  (Dr. Norbert Copray)</author><link>https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=708</link><category>06.07.2026</category><guid isPermaLink="true">https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=708&amp;06.07.2026 10:32:00</guid><pubDate>Mon, 06 Jul 2026 09:32:00 GMT</pubDate><description>Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt immer noch 16 Prozent weniger als Männer (Gender Pay Gap). Dies führt zu einer Rentenlücke von durchschnittlich 36 Prozent bei Frauen im Vergleich zu Männern – und oft direkt in die Altersarmut.

Die EU hat deshalb eine neue Richtlinie beschlossen, die Lohnunterschiede sichtbar machen und verhindern soll. Deutschland hätte diese Regeln bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen müssen. Doch die zuständige Ministerin, Karin Prien (CDU), hat die Frist verstreichen lassen und verschleppt die Umsetzung.

Dabei dürfen die Vorgaben der EU nicht abgeschwächt werden. Ein schwaches Gesetz mit wenig Wirkung wie das von 2017 brauchen wir kein zweites Mal!

Warum ist das wichtig?

Bisher können Betroffene ihr Recht auf gleichen Lohn meist nur in jahrelangen Klageverfahren durch mehrere Instanzen durchsetzen. Die EU-Richtlinie bietet endlich wirksame Instrumente für echte Lohngerechtigkeit:

    Transparenz der Löhne: Beschäftigte erhalten das Recht zu erfahren, wie viel ihre Kolleg*innen in gleicher oder gleichwertiger Position im Durchschnitt verdienen.
    Unternehmen müssen Lohnunterschiede erklären: Im Klagefall müssen Unternehmen beweisen, dass die Person nicht aufgrund ihres Geschlechts schlechter bezahlt wird.
    Berichtspflicht: Unternehmen ab 100 Beschäftigten werden dazu verpflichtet, regelmäßig Lohnunterschiede aufgrund des Geschlechts offenzulegen.
    Transparenz bei der Einstellung: Arbeitgebende müssen künftig bereits vor dem ersten Vorstellungsgespräch das Einstiegsgehalt oder eine Gehaltsspanne offenlegen.
    Fragen nach dem bisherigen Gehalt nicht mehr zulässig: Unternehmen dürfen sich bei Bewerber*innen nicht mehr nach ihrem vorherigen Verdienst erkundigen. Dies soll verhindern, dass Lohnungleichheit weiter fortgeführt wird.

Mithilfe dieser Rechtsinstrumente wird es für Millionen Betroffene sofort einfacher werden, ihr Recht auf gleichen Lohn, entgangenes Entgelt und Schadensersatz einzufordern. 

Wir können und wollen nicht länger warten! 

Die Bundesregierung begründet die Verzögerung mit der „wirtschaftlichen Lage“ und der Vermeidung von Bürokratie für Unternehmen. Doch Lohngerechtigkeit ist ein Grundrecht und keine „Bürokratiehürde“, die man nach Belieben verschieben kann. Aus Sicht des Ökonomen Simon Jäger würde mehr Transparenz bei Löhnen sogar den Arbeitsmarkt stärken und zu mehr Gleichstellung und Produktivitätswachstum in der Wirtschaft führen.

Auch Prof. Dr. Heide Pfarr, Juristin und Mitglied der Expert*innen-Kommission zur Umsetzung der EU-Richtlinie, warnt vor den Folgen der Verzögerung: Deutschland riskiere ein Vertragsverletzungsverfahren. Und: Für Unternehmen bleibt weiterhin unklar, welche Regeln künftig gelten. Diese Unsicherheit sei schlimmer als der vermeintlich hohe bürokratische Aufwand. Selbst die eingesetzte Kommission zur bürokratiearmen Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie sieht das Potential professioneller digitaler HR-Tools, diesen Aufwand zu reduzieren.

Jeder Tag, an dem die Umsetzung verschleppt wird, bedeutet, dass Lohnraub gegenüber Frauen weiter hingenommen wird. Für Frauen entstehen dadurch handfeste finanzielle Einbußen, die später oft direkt in die Altersarmut führen. 

“Gleicher Lohn für gleiche Arbeit” ist kein „Nice-to-have“, sondern ein Grundrecht – das Grundrecht auf Gleichbehandlung! Wir fordern die Bundesregierung auf, das Gesetz endlich auf den Weg zu bringen. </description><content:encoded><![CDATA[Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt immer noch 16 Prozent weniger als Männer (Gender Pay Gap). Dies führt zu einer Rentenlücke von durchschnittlich 36 Prozent bei Frauen im Vergleich zu Männern – und oft direkt in die Altersarmut.

Die EU hat deshalb eine neue Richtlinie beschlossen, die Lohnunterschiede sichtbar machen und verhindern soll. Deutschland hätte diese Regeln bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen müssen. Doch die zuständige Ministerin, Karin Prien (CDU), hat die Frist verstreichen lassen und verschleppt die Umsetzung.

Dabei dürfen die Vorgaben der EU nicht abgeschwächt werden. Ein schwaches Gesetz mit wenig Wirkung wie das von 2017 brauchen wir kein zweites Mal!

Warum ist das wichtig?

Bisher können Betroffene ihr Recht auf gleichen Lohn meist nur in jahrelangen Klageverfahren durch mehrere Instanzen durchsetzen. Die EU-Richtlinie bietet endlich wirksame Instrumente für echte Lohngerechtigkeit:

    Transparenz der Löhne: Beschäftigte erhalten das Recht zu erfahren, wie viel ihre Kolleg*innen in gleicher oder gleichwertiger Position im Durchschnitt verdienen.
    Unternehmen müssen Lohnunterschiede erklären: Im Klagefall müssen Unternehmen beweisen, dass die Person nicht aufgrund ihres Geschlechts schlechter bezahlt wird.
    Berichtspflicht: Unternehmen ab 100 Beschäftigten werden dazu verpflichtet, regelmäßig Lohnunterschiede aufgrund des Geschlechts offenzulegen.
    Transparenz bei der Einstellung: Arbeitgebende müssen künftig bereits vor dem ersten Vorstellungsgespräch das Einstiegsgehalt oder eine Gehaltsspanne offenlegen.
    Fragen nach dem bisherigen Gehalt nicht mehr zulässig: Unternehmen dürfen sich bei Bewerber*innen nicht mehr nach ihrem vorherigen Verdienst erkundigen. Dies soll verhindern, dass Lohnungleichheit weiter fortgeführt wird.

Mithilfe dieser Rechtsinstrumente wird es für Millionen Betroffene sofort einfacher werden, ihr Recht auf gleichen Lohn, entgangenes Entgelt und Schadensersatz einzufordern. 

Wir können und wollen nicht länger warten! 

Die Bundesregierung begründet die Verzögerung mit der „wirtschaftlichen Lage“ und der Vermeidung von Bürokratie für Unternehmen. Doch Lohngerechtigkeit ist ein Grundrecht und keine „Bürokratiehürde“, die man nach Belieben verschieben kann. Aus Sicht des Ökonomen Simon Jäger würde mehr Transparenz bei Löhnen sogar den Arbeitsmarkt stärken und zu mehr Gleichstellung und Produktivitätswachstum in der Wirtschaft führen.

Auch Prof. Dr. Heide Pfarr, Juristin und Mitglied der Expert*innen-Kommission zur Umsetzung der EU-Richtlinie, warnt vor den Folgen der Verzögerung: Deutschland riskiere ein Vertragsverletzungsverfahren. Und: Für Unternehmen bleibt weiterhin unklar, welche Regeln künftig gelten. Diese Unsicherheit sei schlimmer als der vermeintlich hohe bürokratische Aufwand. Selbst die eingesetzte Kommission zur bürokratiearmen Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie sieht das Potential professioneller digitaler HR-Tools, diesen Aufwand zu reduzieren.

Jeder Tag, an dem die Umsetzung verschleppt wird, bedeutet, dass Lohnraub gegenüber Frauen weiter hingenommen wird. Für Frauen entstehen dadurch handfeste finanzielle Einbußen, die später oft direkt in die Altersarmut führen. 

“Gleicher Lohn für gleiche Arbeit” ist kein „Nice-to-have“, sondern ein Grundrecht – das Grundrecht auf Gleichbehandlung! Wir fordern die Bundesregierung auf, das Gesetz endlich auf den Weg zu bringen. <br /><a href='https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=708'>https://blog.fairness-stiftung.de/FSBlogEintrag.aspx?EID=708</a>]]></content:encoded></item></channel></rss>