Blog nach Monat: Juni 2024

12.06.2024 16:23
Rassismus - bei uns doch nicht! Denkste!
Eine eindrucksvolle und treffliche Kolumne hat der Journalist, Autor, Fernsehmoderator, Regisseur, Schauspieler und Dokumentarfilmer Michael Herl in der Frankfurter Rundschau (11.6.24) veröffentlicht (in der er seit 2012 im Wechsel eine Kolumne beisteuert):

„Was für ein schönes Land muss es sein, in dem Hautfarbe keine Rolle spielt. Dieses Land ist es nicht. Die Kolumne.

Eigentlich war der Ausgang der Europawahlen zu erwarten. Die rechtsnationale AfD ist im Vormarsch, das ist schlimm. Schlimmer ist aber, dass der Plan nicht aufgeht, den die westlichen Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg ersannen. Wenn wir die Deutschen in ein gemeinsames Europa einbetten, können wir besser auf sie aufpassen, dachten sie. Prima Idee. Eigentlich.

Doof nur, dass man nun nicht nur auf die Deutschen aufpassen muss, weil die Neo-Nationalisten hier sogar weniger Stimmen bekommen als in vielen anderen europäischen Ländern, etwa in Italien, Frankreich und Österreich. Hinzu kommt, dass von Weltregulator USA eher Unheilvolles zu erwarten ist, und über Putin brauchen wir da gar nicht zu reden. Düstere Aussichten.

Also war’s das? Nein. Denn wenn du denkst, da geht nicht noch mehr, kommt von irgendwo was Schlimmeres her. Zumindest habe ich es vor einigen Tagen so empfunden.

Da nämlich veröffentlichte der WDR eine Umfrage, wonach 21 Prozent der Befragten es besser fänden, „wenn wieder mehr weiße Spieler in der deutschen Nationalmannschaft spielen“. Das versetzte mir einen Schlag in die Magengrube, von dem ich mich bis heute nicht erholt habe. Das hat nämlich eine andere Qualität als die Wahlerfolge der Ultrarechten.

Grundsätzlich bin ich ja der Meinung, dass es keine Protestwähler gibt, da jeder erwachsene Mensch wissen müsste, bei wem er da sein Kreuz macht, wenn er AfD wählt. Dennoch geschieht es offensichtlich. Die Aussage aber, keine schwarzen Spieler in der deutschen Nationalmannschaft sehen zu wollen, lässt sich auf keinen Fall mit Dummheit, Unüberlegtheit oder taktischem Kalkül entschuldigen. Da ziehen auch die ohnehin schwachsinnigen Befürchtungen nicht, wonach „die“ uns Arbeit, Wohnung, Geld und Wohlstand wegnehmen. Das ist nichts anderes als blanker, tief verwurzelter Rassismus. Und das bei jedem fünften Mitmenschen in diesem Land! Es ist bestürzend.

Die Folgen spüre ich an mir selbst. Seither fallen mir plötzlich Schwarze Menschen im Straßenbild auf. Ich bemerke, dass von fünf deutschen Silbermedaillengewinnerinnen im Halbmarathon eine nicht weiß ist. Und dadurch werde ich gewahr, wie wenig ich früher auf so etwas achtete. Und bin traurig, dass ich es plötzlich tue.

Mit einem Mal überkommt mich der Drang, jeden dunkelhäutigen Menschen zu umarmen. Und mir fällt etwas ein, das mir eine Bekannte vor einiger Zeit erzählte.

Ihr kleiner Sohn, nennen wir ihn David, wollte ihr etwas von einem Mitschüler erzählen, sagen wir mal von Tim. Er erklärte und erklärte, Mutti aber kam partout nicht darauf, wer gemeint war. „Der mit dem gelben Ranzen“, führte er an, „der bei der Concordia im Tor spielt“, „dem seine Mutter bei der Lufthansa arbeitet“, „der auf meinem Geburtstag war und den Arm in Gips hatte“ oder „dem sein Vater einen Jaguar fährt“. Doch Mutti stand auf dem Schlauch“.

Ein Text, der nicht nur zu denken gibt, sondern auch aufrüttelt und sensibilisiert, um auch subtilem Rassismus und damit Unfairness entgegen zu treten. Nur, wer ihn spürt, kann ihn meiden und aufklären.

01.06.2024 10:38
Arbeitgeber zu Maßnahmen gegen Mobbing verpflichtet - wenn es konkret benannt wird
Spitze Bemerkungen, abfällige Äußerungen oder sogar gezieltes Ausschließen von gemeinsamen Terminen: Mobbing am Arbeitsplatz kann sehr belastend sein. Wann müssen Vorgesetzte...

Kiel (dpa/tmn) - . Arbeitnehmer müssen Mobbingvorwürfe präzise und detailliert darlegen. Denn Arbeitgeber müssen Mobbing unter Arbeitskollegen unterbinden, wenn sie davon wissen. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einer „positiven Kenntnis“.

Bei Mobbingvorwürfen kommt es auf konkrete Beweise sowie detaillierte Schilderungen durch Arbeitnehmer an. Das zeigt auch eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Kiel (AZ: 6 Sa 48/23). Über den Fall berichtet die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Eine Zahnarzthelferin hatte gegen ihren Arbeitgeber wegen angeblichen Mobbings durch Arbeitskolleginnen geklagt. Dabei berief sie sich auf ihren katholischen Glauben, ihre polnische Herkunft und ihre Entscheidung, sich nicht gegen COVID-19 impfen zu lassen. Trotz wiederholter Beteuerungen konnte sie jedoch nicht konkretisieren, wann und wie sie ihren Arbeitgeber über die Vorfälle informiert hatte.

Das Urteil

Das Landesarbeitsgericht stellte fest, dass der Arbeitgeber ohne genaue Kenntnis nicht verpflichtet ist, konkrete Maßnahmen gegen Mobbing zu ergreifen. Eine Haftung für die behaupteten Mobbinghandlungen sei nicht begründet, da der Arbeitgeber nicht ausreichend über die konkreten Vorfälle informiert worden sei. Der Arbeitgeber verletze nur dann seine Fürsorge- oder Schutzpflicht, wenn er trotz positiver Kenntnis nicht eingreift.

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