Blog nach Monat: Mai 2024

21.05.2024 08:27
Massive Beschwerde gegen die Billg-App von Temu
Die chinesische Billig-App Temu erlebt in Europa einen Boom. Verbrauchschützer aber werfen der Plattform Kundenmanipulation vor: Wer den eigenen Account kündigen wolle, müsse einen »Hindernisparcours« durchlaufen, berichtet auch Spiegel Online:

Der gewaltige Erfolg sorgt für neue Kritik

„Ist die chinesische App Temu nur deshalb so erfolgreich, weil sie geschickt für sich wirbt und billige Preise anbieten kann? Verbraucherschützer aus 17 EU-Ländern werfen dem Anbieter vor, mit unsauberen Methoden Umsätze zu machen und fordern ein Einschreiten der jeweils zuständigen Behörden.

»Der Online-Marktplatz ist voll von manipulativen Techniken, die darauf abzielen, die Verbraucherinnen und Verbraucher dazu zu bringen, mehr auf der Plattform auszugeben«, erklärte die Chefin der europäischen Verbraucherorganisation BEUC, Monique Goyens, am Donnerstag. Temu verstoße damit gegen das EU-Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act, kurz: DSA). Mit einem koordinierten Vorgehen in verschiedenen EU-Mitgliedsländern soll der chinesische Betreiber nun zu wesentlichen Änderungen gezwungen werden.

Kunden in die Irre geführt?

Die Verbraucherschützer werfen dem Unternehmen eine ganze Reihe von Verstößen vor. Sobald sie ein bestimmtes Produkt angeklickt haben, werde Kundinnen und Kunden etwa eine Reihe teurerer Versionen angezeigt, erklärte Goyens. »Außerdem lässt Temu die Verbraucherinnen und Verbraucher häufig im Unklaren darüber, von wem sie die Produkte kaufen«, fügte sie hinzu. Dadurch sei nicht nachvollziehbar, ob ein Produkt den EU-Sicherheitsvorschriften entspreche. Zudem würden Kundinnen und Kunden behindert, wenn sie der Plattform den Rücken kehren wollen. Wer sein Konto bei Temu löschen wolle, müsse dazu einen »Hindernisparcours« auf der Website durchlaufen. Laut Beschwerde hat der Anbieter mittlerweile monatlich mehr als 75 Millionen Nutzer in der EU.

Temu teilte mit, die Beschwerde von BEUC »sehr ernst« zu nehmen und sie »sorgfältig« zu prüfen. Als neues Unternehmen auf dem europäischen Markt habe es sich verpflichtet, sich an die »lokalen Gepflogenheiten« anzupassen, erklärte eine Unternehmenssprecherin. »Wo wir Verbesserungsmöglichkeiten sehen, wollen wir gemeinsam daran arbeiten, unseren Service noch zu verfeinern und etwaige Mängel zu beheben.«

In Deutschland bereits Besserung versprochen

Das Unternehmen verwies auch auf eine Unterlassungserklärung, die Temu vor Kurzem gegenüber dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) abgegeben hatte. Dieser hatte das Unternehmen wegen »manipulativer Designs« und falscher Umweltversprechen abgemahnt. Temu verpflichtete sich dann, Hinweise wie »Beeile dich! Über 126 Personen haben diesen Artikel in ihrem Warenkorb« künftig bei deutschen Kunden nicht mehr anzuzeigen. Solche Techniken dienen gemeinhin dazu, Kunden und Kundinnen unter Zeitdruck zu setzen und so zu einem schnellen Kauf zu verleiten.

Das hinter Temu stehende Unternehmen Pinduoduo hatte zuletzt nahezu eine Verdopplung seines Gewinns im vergangenen Jahr gemeldet. Die App lockt mit extremen Schnäppchen, steht aber immer wieder wegen schlechter Qualität, nicht erhaltener Sendungen und der mangelhaften Klima- und Umweltbilanz seiner Produkte in der Kritik. Auch aus dem Handel kommt deutliche Kritik an dem neuen Konkurrenten.

Nach mehreren Verstößen: Verbraucherzentrale mahnt chinesische Shopping-App Tem

Die zuständigen Behörden in den EU-Staaten sollen nun klären, ob Temu gegen das Gesetz für digitale Dienste verstößt. Es verpflichtet Onlinehändler unter anderem, Informationen über Anbieter auf ihren Plattformen offenzulegen, verboten werden irreführende Verkaufsmethoden. Bei Verstößen drohen den Unternehmen Strafen in Höhe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. In Deutschland soll sich künftig die Bundesnetzagentur um solche Beschwerden kümmern“.

Mit Material von tmk/AFP

15.05.2024 09:56
Mobbing auch im chinesischen Sprachgebrauch der Politik
Jetzt ist der Begriff Mobbing nochmals in der globalen Politik angekommen. Spiegel-Online schrieb gestern:

"Die Ankündigung der US-Regierung, neue Sonderzöllen auf Elektroautos, Solarzellen, Halbleiter und andere Produkte aus China erheben zu wollen, hat die Spannungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt erhöht. Die chinesische Regierung reagierte umgehend und empört: Die Zölle würden »die Atmosphäre der bilateralen Zusammenarbeit ernsthaft beeinträchtigen«, heißt es in einer offiziellen Erklärung. Das chinesische Außenministerium sprach gar von »Mobbing«."

Es ist inzwischen ein eigenes Problem, dass der Begriff Mobbing infaltionär benutzt wird und dabei eine genau Begründung für seine Verwendung in einem bestimmten Kontext fehlt. Wir verstehen Mobbing https://www.fairness-stiftung.de/Mobbing.htm in ganz bestimmten Sachverhalten und mit ganz konkretem Kontext. Nur dann lässt sich dazu analysieren, reflektieren und zur Bewältigung von Mobbing beraten: https://www.fairness-stiftung.de/Fairness-Beratung.htm

Politischer Streit und Prozesse im Kontext eines Handelskriegs gehören sicher nicht dazu. Der Begriff wird sonst zusehends unscharf und damit unbrauchbar.

08.05.2024 10:22
Mit Fairtrade die Armut überwinden?
Gute Nachricht! Den Bericht von Fairtrade zum Jahr 2023 stellt Baha Kirlidokme in der Frankfurter Rundschau vor – und kommentiert ihn: Die Löhne steigen und auch der Umsatz, jedoch liegt das nicht an einem zunehmenden Absatz.

„Gute Nachrichten aus dem fairen Handel: Im vergangenen Jahr sind die Löhne vieler Landarbeiter:innen gestiegen. Einige schafften es sogar aus der absoluten Armut. Das verkündete der Verein Fairtrade Deutschland am Dienstag bei der Vorstellung seines Jahresberichts. Beispielsweise seien die Einkommen von Kakao-Landarbeiter:innen in der Elfenbeinküste in den vergangenen Jahren um 85 Prozent gestiegen, erklärte Claudia Brück, Vorständin Kommunikation und Politik.

Auch die Umsatzentwicklung ist positiv. Die Umsätze sind in Deutschland, dem größten Fairtrade-Markt, um 8,5 Prozent gestiegen. Das sind rund 2,6 Milliarden Euro. Ein Rekord, denn der Pro-Kopf-Konsum liegt damit erstmals über 30 Euro. Auf FR-Nachfrage erklärt Detlev Grimmelt, Vorstand Marketing und Vertrieb, dass das allerdings an den Preissteigerungen durch die Inflation liege. Er prognostiziert aber, dass sich mehr Menschen in Zukunft aufgrund der wieder zunehmenden Kaufkraft für Fairtrade-Produkte entscheiden würden.

Es sei aber noch viel zu verbessern. Deshalb begrüße Fairtrade das deutsche sowie europäische Lieferkettengesetz, „insbesondere, dass existenzsichernde Einkommen und Löhne als unverzichtbares Menschenrecht eines der Kernelemente des Gesetzes sind“, sagte Brück. Existenzssichernde Löhne gehören zu den Hauptzielen von Fairtrade. Im Jahr 2017 verabschiedete der Verein eine Strategie mit verschiedenen Maßnahmen, die das Ziel unterstützen sollen. Auf FR-Nachfrage erklärte Claudia Brück, der Verein sei „guten Mutes, dass wir mit dieser Diskussion über existenzsichernde Löhne und Einkommen die Agenda so setzen, dass nicht nur Fairtrade daran arbeitet.“

Fonds soll helfen

Fairtrade produziert und handelt nicht selbst. Der Verein zertifiziert international Produkte von Unternehmen. Neben der Strategie für existenzsichernde Löhne wieß Brück auch auf die sogenannten HREDD-Kriterien (Human Rights and Environmental Due Diligence) hin. Unternehmen mit Fairtrade-Siegel sollen diese ab 2025 schrittweise bis zum Jahr 2027 erfüllen.

Die Erfüllung dieser Verpflichtungen können vor allem kleinere Unternehmen in der Marktwirtschaft nicht sofort leisten, hieß es. Deshalb hat Fairtrade im Dezember einen Fonds gegründet, der Unternehmen unterstützen soll, die Ziele bis 2027 zu erreichen.

Dieser Fonds entstand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Forum Fairer Handel. Er hat ein Gesamtvolumen von 1,9 Millionen Euro, das durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Fairtrade setzt sich für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kleinbäuerinnen und -bauern ein, beispielsweise im Kaffeeanbau, sowie für Beschäftigte auf Plantagen.

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