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30.07.2010 16:09
Mobbing gegen Afrika?  

Der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union, Jean Ping, warf dem Internationalen Staatsgerichtshof in Den Haag vor, den afrikanischen Kontinent zu „mobben“. Hintergrund ist das Vorgehen des Staatsgerichtshofs gegen afrikanische Präsidenten, insbesondere gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir. Gegen den Präsidenten gibt es einen Haftbefehl, der sich unter anderem auch auf die Anklage wegen Völkermord bezieht. Und obwohl 30 der 52 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union (AU) das Statut des Internationalen Staatsgerichtshofs unterzeichnet und sich rechtlich zur Zusammenarbeit mit dem Gericht verpflichtet haben, haben die beim AU-Treffen versammelten Staaten alle AU-Mitgliedsländer aufgefordert, die Verhaftung Al-Baschirs zu boykottieren.

Die afrikanischen Staatschefs behaupten, westliche Regierungen missbrauchten die Justizbehörde zu neokolonialen Einmischungsversuchen in die Belange afrikanischer Staaten. Hingegen macht die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai darauf aufmerksam, dass die Unterstützungsverweigerer eben jene „sogenannten Führer“ seien, „die die Menschenrechtsvergehen zu verantworten haben.“ Daher schützen die afrikanischen Staatschefs nur einen der ihren aus Sorge, selbst die nächsten Angeklagten zu sein, weil sie an schweren Vergehen beteiligt oder gar allein dafür verantwortlich sind.

Mit dem Vorwurf, einen ganzen Kontinent zu mobben, hat die Verwendung des Mobbingbegriffs nie da gewesene internationale Präsenz erhalten. Ursprünglich ein deutsches Kunstwort, das es bislang so im Englischen gar nicht gibt, wird es jetzt sogar international gebräuchlich und auf einen ganzen Kontinent bezogen.

Der Vorgang zeigt zweierlei:
1. Verstecken sich solche, die selber Unrecht tun und Unfairness verbreiten, selbst gern hinter dem Vorwurf Mobbing gegenüber der Gegenseite. Ein Macht- und Zuweisungsspiel, das selbst hierzulande Eingang in die Gerichtssäle findet. So können unfaire Akteure den Vorwurf umdrehen und sich zu Opfern stilisieren.
2. Es geht hier beim Vorwurf des kontinentalen Mobbings nicht um Mobbing im eigentliche Sinne, sondern die afrikanischen Präsidenten meinen unfaire Attacken im Sinne von Dissen in verschärfter Form. Dazu passt auch, dass die Präsidenten dem Chefankläger des Staatsgerichtshofes, Luis Moreno-Ocampo, „unerhört rüde und herablassende“ Umgangsformen vorwarfen.

Wären die afrikanischen Präsidenten in ihren eigenen Ländern als Vorkämpfer von Fairness und Menschenrechte bekannt, wäre das glaubwürdig, So aber ist es nur der Missbrauch der Begrifflichkeit Mobbing zum eigenen Selbstschutz, hinter dem auch noch unfaire Handlungen und Menschenrechtsverletzungen versteckt werden.
http://www.fairness-stiftung.de/Dissen.htm http://www.fairness-stiftung.de/Mobbing.htm

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