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09.07.2013 11:26
Geld stärker als Fairness und Liebe?  

„Nennen Sie mir eine Schlechtigkeit in der Welt, die nicht für Geld getan wird. Mir fällt nichts mehr ein. Ich habe so ziemlich alles erlebt. Ich glaube nicht, dass die Liebe die Welt bewegt, sondern eher Geld“, sagt Hilmar Kopper, Ex-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, ehemals Mitglied in 60 Aufsichtsräten von Konzernen und Großunternehmen, davon als Aufsichtsratsvorsitzender bei DaimlerChrysler und der HSH Nordbank. Das sagt er aktuell auf die Frage der ZEIT, in welche Abgründe er wegen Geldes geblickt habe.

Wenn das das Fazit und die Lehre aus jahrzehntelanger Tätigkeit in Schlüsselpositionen der deutschen Wirtschaft ist, dann ist es um sie dramatisch bestellt, dann ist sie verkommen. Dann machen auch Selbstverpflichtungen zur Antikorruption so wenig Sinn wie Selbstregularien zum Kundenschutz und Fairness im Wettbewerb. Dann nützen nur gesetzliche Rahmenbedingungen und Auflagen was, die zudem von intensiven Kontrollen und einer starken, aktiven Steuerfahndung und kompetenten Staatsanwaltschaften gegen Wirtschaftskriminalität flankiert und ernstzunehmend gestaltet wird. Dazu braucht es auch eine Politikergeneration, die sich nicht ihr Denken und Handeln von Wirtschaftsverbänden und Konzernen diktieren lässt.

Vielleicht aber ist Koppers erschreckende Bilanz des Kapitalismus doch nicht so umfassend und unerschütterlich. Vielleicht erweisen sich Fairness und Liebe doch als wirkmächtigere Kräfte. Vielleicht werden doch mehr und mehr Menschen gewählt und Firmen geachtet, die sich um Fairness und Gemeinwohl bemühen, es zumindest es nicht missachten. Der Nachweis steht aus.

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