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Jeder Dritte glaubt fälschlicherweise an die Existenz verschiedener menschlicher Rassen. Menschen mit Migrationsgeschichte, vor allem Schwarze und Muslime, erleben täglich Rassismus in Deutschland. Das zeigt der neue Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRA), der am Donnerstag vorgestellt wurde.
Laut Monitor ist jeder Zweite in Deutschland der Meinung, dass gewisse Gruppen "von Natur aus fleißiger" sind als andere. Mehr als ein Drittel der Befragten stimmt außerdem der Aussage zu, es gebe verschiedene menschliche Rassen, obwohl das längst wissenschaftlich widerlegt ist. 63 Prozent der Schwarzen, die befragt wurden, geben außerdem an, mindestens einmal im Monat ignoriert oder nicht ernst genommen zu werden.
Florence Brokowski-Shekete ist Schulamtsdirektorin in Mannheim und Autorin. Die schwarze Deutsche erlebt auf jeder Lesung rassistische Diskriminierung, erzählt sie dem SWR. Es gebe immer eine Person, die ihr das N-Wort entgegenschleudere, um einfach zu beweisen: Man könne das sagen und das könne einem auch niemand verbieten.
Betroffene erleben mindestens einmal pro Monat Diskriminierung
Im aktuellen Bericht des Diskriminierungs- und Rassismusmonitors hat jede vierte Schwarze und jede sechste muslimische Person angegeben, mindestens einmal im Monat von offenkundiger rassistischer Diskriminierung betroffen zu sein. Das erklärt Cihan Sinanoglu, Leiter der Geschäftsstelle Rassismusmonitor. "Das finde ich schon erschreckend, dass das vor allen Dingen monatlich passiert", meint Sinanoglu. "Man kann sich das ja vorstellen: Wenn sich das summiert auf ein Jahr, das sind wirklich Zahlen, die uns als Gesellschaft alarmieren sollten", so Sinanoglu weiter. Vor allem im Alltag - beim Einkauf, im Restaurant, in der Disko oder im Job - erlebten Betroffene Demütigungen, Beleidigungen und verbale wie körperliche Angriffe.
Laut Antirassismus-Trainerin Esinu Afele sei dabei nicht entscheidend, ob rassistische Diskriminierung mit oder ohne Absicht erfolge. Entscheidend sei allein die Wirkung. Ausgrenzung und Diskriminierung belasten permanent die Psyche, machen auf Dauer unzufrieden und krank, so Afele. Bei einer Polizeikontrolle habe sie sich ohnmächtig und gedemütigt gefühlt - und das gehe vielen Betroffenen so, erzählt Afele.
Betroffene verlieren Vertrauen in staatliche Institutionen
Rassistische Vorurteile und Ausgrenzung sind kein individuelles Problem, sondern meist in gesellschaftlichen Strukturen verankert, so Sinanoglu. Betroffene erlebten rassistische Diskriminierung bei der Wohnungssuche, in der Schule oder bei Justiz, Ausländerbehörden oder der Polizei. "Die Betroffenen verlieren das Vertrauen in staatliche Institutionen", so das Ergebnis des Rassismus-Monitors 2026. Laut Sinanoglu gefährdet dieser Vertrauensverlust den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Außerdem sei erkennbar, dass diese negative Entwicklung von Jahr zu Jahr zunehme.
Rassismus als gesamtgesellschaftliche Herausforderung
Als Antirassismus-Trainerin geht Afele in Schulen und Behörden. Dabei setzt sie auf Dialog und Sensibilisierung. Rassismus, sagt sie, sei eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die uns alle angehe. "Wir verlieren wertvolle Ressourcen, weil wir bestimmte Leute ausschließen", erklärt Afele. "Egal ob Schüler:innen oder Arbeitskräfte, wir beteiligen sie nicht in der Gesellschaft und dann verlieren wir sie und das ist ein Verlust für uns alle", so die Trainerin.
Für den Nationalen Rassismusmonitor wurden rund 8.000 Menschen befragt. Die Studie wird von Forschern des Deutschen Zentrums für Integrations- und Meinungsforschung durchgeführt.
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