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Weltweit steigende Energiepreise seit Beginn des Iran-Kriegs setzten Haushalte und Unternehmen unter Druck, während die großen Öl- und Gaskonzerne gleichzeitig neue Rekordgewinne einfahren. Nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam könnten sechs der größten fossilen Energiekonzerne im Jahr 2026 zusammen rund 94 Milliarden US-Dollar Gewinn erzielen – ein Plus von rund 13,5 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr – oder 37 Millionen Dollar täglich.
Zu den Profiteuren zählen Branchenriesen wie Shell, ExxonMobil, Chevron, BP, ConocoPhillips und TotalEnergies. Ihre erhöhten Gewinne speisen sich maßgeblich aus dem Anstieg der Preise für Erdöl und LNG, deren Verfügbarkeit wegen der Blockade der Straße von Hormus gesunken ist, und einer weiterhin hohen globalen Nachfrage nach den fossilen Energieträgern. Viele dieser Konzerne investieren weiterhin erheblich in die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder – trotz der klimapolitischen Zielsetzungen.
Die Oxfam-Untersuchung basiert auf Berechnungen zu den Gewinnerwartungen der Ölmultis, die von der Analyseplattform Standard & Poor’s Capital IQ gemacht wurden. Branchenfachleute gehen derzeit davon aus, dass die Öl- und Gaspreise noch längere Zeit erhöht sein werden, selbst wenn es bald zu einer Einigung zwischen Iran und den USA kommt.
„Es ist offensichtlich, wie dringend der Ausstieg aus Öl und Gas ist“
Der Ölpreisschock belastet vorwiegend Staaten im globalen Süden, wo bereits Knappheiten auf den Öl- und Gasmärkten zu spüren sind. Doch auch in Ländern wie Deutschland belasten steigende Energiepreise viele Haushalte. Angesichts der gerade in Kolumbien stattfindenden internationalen Konferenz zum Ausstieg aus den fossilen Energien, an der rund 50 Länder teilnehmen, äußert Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig: „Es ist offensichtlich, wie dringend der Ausstieg aus Öl und Gas ist, um die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten zu verringern und die Widerstandskraft gegenüber geopolitischen Krisen zu erhöhen.“ Kowalzig kritisierte die Bundesregierung, die den Ausbau von Sonne und Wind ausbremsen und neue Gaskraftwerke bauen wolle. Das würde bestehende Abhängigkeiten verfestigen.
„Statt konsequent dagegen zu steuern, schiebt die Bundesregierung den fossilen Großkonzernen für deren klimazerstörendes Geschäftsmodell Milliardengewinne zu.“ Jan Kowalzig, Oxfam-Klimaexperte
Den Preis dafür zahlten die Verbraucherinnen und Verbraucher. Dass die Ölkonzerne auch hierzulande zusätzliche Gewinne einfahren, hat eine Untersuchung des Leibniz Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Instituts für Wettbewerbsökonomie (Dice) gezeigt. Die Gewinnmargen sowohl für E5- als auch für E10-Benzin seien seit Einführung der sogenannten Zwölf-Uhr-Regel um rund sechs Cent pro Liter gestiegen. Dieser Effekt war beim Diesel wegen der stark schwankenden Preise „zumindest kurzfristig“ nicht nachweisbar. Es sei aber wahrscheinlich, dass es ihn auch hier geben könne. Die Forschenden sprechen von Mitnahmeeffekten, die über normale Marktdynamiken hinausgehen.
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