Blog-Artikel

05.03.2026 08:59
Jugendliche Gewalt per Auftrag – krasse soziale Destruktion  

Das LKA Hessen warnt vor „Violence as a Service". Jugendliche werden über soziale Medien rekrutiert und ausgenutzt. So schreibt Oliver Teutsch dazu in der Frankfurter Rundschau (5.3.26, S. 34):

„Es ist ein schmutziges Geschäft, bei dem Minderjährige zur Begehung schwerer Straftaten missbraucht werden. Das hessische Landeskriminalamt (LKA) hat Fälle von „violence as a service“ im In- und Ausland analysiert und geht bei der Anwerbung potenzieller Täter von einem mehrstufigen Rekrutierungssystem aus. Beim Anwerben werden gezielt angesagte Kanäle der Sozialen Medien und jugendgerechte Sprache benutzt, um die oft minderjährigen Interessenten zu binden. Mit der Nutzung spezieller Formulierungen oder KI-generierter Abbildungen werden Auftragsangebote in breite Foren gesteuert. Die Anwerbungstätigkeit wird ebenfalls mit Geld, Status oder Zugehörigkeit entlohnt.

Nicht selten jedoch bleibt die versprochene Entlohnung nach der Tat aus. Werden die Taten nicht wie vereinbart durchgeführt, folgen mitunter Drohungen oder soziale Ächtung zum Nachteil der angeworbenen Personen. Viele der Angeworbenen wissen zudem nicht, wen oder warum sie angreifen und setzen sich somit hohen Risiken und Gefahren aus, die ihnen teils selbst nicht bewusst sind.

Charakteristisch für dieses Phänomen ist das gezielte Anwerben leicht beeinflussbarer Personen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Der jüngste Tatbeteiligte bei den am Dienstag erfolgten Maßnahmen in den Niederlanden war sogar erst 13 Jahre alt. Oft stammen die Jugendlichen aus dem Ausland, wo sie polizeilich schon in Erscheinung getreten sind, und sie reisen nur für die Begehung von Straftaten nach Deutschland ein.

In allen bislang in Hessen bekannt gewordenen Taten in diesem Kontext stechen die Niederlande als Herkunftsland der Täter hervor. Weiterhin gibt es Hinweise, dass Belgien in manchen Fällen ebenfalls eine Rolle spielt. Beim Anschlag auf eine Bar in der Frankfurter Innenstadt Ende Dezember war der unlängst festgenommene Tatverdächtige allerdings ein 23-Jähriger aus Hanau.

Zur Vorbeugung solcher Anwerbeversuche hat das LKA einige Warnhinweise und Ratschläge zusammengestellt, die allerdings sehr pauschal sind. Wenn Kinder und Jugendliche beginnen, verschlüsselte Messenger-Dienste zu nutzen, ungewohnte Meinungen vertreten oder Fragen ausweichen, sollten Eltern gewarnt sein. Auch wenn der Freundeskreis wechselt und dann aus älteren Jugendlichen oder Erwachsenen besteht, könnte Gefahr drohen. Ein weiteres Indiz ist, wenn Kinder oder Jugendliche plötzlich neue werthaltige Gegenstände besitzen, ohne dafür eine Erklärung zu haben“.

Gesellschaft
  Blog-Artikel
  Blog-Kategorien
  Blog-Archiv