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Versprechen, Vertrauen und die Verantwortung als Wasser im Wein der schönen Worte. Die Kolumne „Gastwirtschaft“ in der FR vom 22./23.6.26 von Coach Kurt Steffenhagen:
„Alle vier Jahre, so ist es in Deutschland Usus, prasseln Versprechen wie ein Sturzregen auf die Menschen nieder – Schlagworte im wahrsten Sinne des Wortes. Sie enden, wenn man dazu noch die Frage nach dem Vertrauen in die Suppe gießt, oft als stumpfe Schwerter im Sumpf von Moralismen. Gefühlt passen Versprechen und Vertrauen in die gleiche Tüte. Ein Versprechen wird, so scheint es, nur dann ernst genommen, wenn man ihm vertraut.
Es lohnt sich, hier einmal genauer hinzuschauen: Versprechen und Vertrauen sind bei genauerer Betrachtung zwei Paar Schuhe. Vordergründig wirken sie verwandt, tatsächlich betreffen sie jeweils ein anderes Thema.
Versprechen zielen auf „Sicherheit“, sie sind dafür gemacht, „Unsicherheit“ zu minimieren, ja auszuschalten. Die Unsicherheit liegt im Unwissen gegenüber der Zukunft und letztlich dem Verhalten der Menschen. Versprechen werden oft gebrochen – nicht, weil die Menschen böswillig sind (mag auch gelegentlich der Fall sein), sondern weil auch das beste Versprechen seiner Natur nach niemals ein Abbild der Zukunft sein kann. Das Versprechen als solches ist oft ein hilfloser Versuch, die Zukunft festzuschreiben, deren komplexe Entwicklung man zwar ahnen, jedoch nicht fixieren kann. Vertrauen gründet auf gemeinsamen Zielen
Vertrauen dagegen ist kein süßliches Parfüm des Herzens, sondern rührt aus der Erkenntnis, dass nichts sicher versprochen werden kann. Vertrauen gründet auf der Haltung, dass gemeinsame Ziele erreichbar sind. Es ist die Einsicht, dass Dinge anders laufen können als gedacht, man sich aber dennoch zutraut, den Widrigkeiten zu begegnen. Dazu hat Václav Havel, der frühere tschechische Staatspräsident, sinngemäß gesagt: Vertrauen, und damit Hoffnung, ist nicht die Überzeugung, dass alles gut ausgeht, sondern dass etwas Sinn hat – unabhängig vom Ausgang.
Doch nun kommt das Wasser in den Wein – die Frage nach der Verantwortung.
Verantwortung hat man, kraft Amtes oder aus anderem Anlass. Ihre Übernahme gleicht oft einer heißen Kartoffel, die niemand halten will. Wo jedoch niemand Verantwortung für Geschehenes übernimmt, fehlt jede Grundlage für Vertrauen in die Zukunft. Jemandem zu vertrauen, der keine Verantwortung trägt oder tragen will, ist absurd – oder blind.
Das Wasser im Wein der schönen Worte ist der Umgang mit Verantwortung“.
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