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02.09.2026 09:38
Krasse Unfairness gegenüber Menschen mit Behinderungen  

Die Arbeitslosenquote von schwerbehinderten Menschen ist besonders hoch. Das liegt nicht an ihrer Qualifikation, sondern an mangelhaften Strukturen. Ein Kommentar von Anna Laura Müller in der FR (2.9.26, S. 13):

"Für alle, die das Thema schon etwas länger verfolgen, ist die Nachricht wenig überraschend: Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung ist auch in der Wirtschaftskrise stärker gestiegen als die Zahl derjenigen ohne Schwerbehinderung. Der bittere Trend, der sich hier fortsetzt, ist besonders absurd, wenn man sich vor Augen führt, dass arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung durchschnittlich besser qualifiziert sind als solche ohne Schwerbehinderung.

Und trotzdem funktioniert die so oft proklamierte Inklusion auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht. Nicht zuletzt, weil in einer Arbeitswelt, in der auf Leistung gedrillt wird, Menschen mit Schwerbehinderung nicht hineinpassen – so zumindest das häufige Vorurteil. Dabei ist Behinderung vielfältig und sagt nichts über die Fähigkeit aus, einen Job gut zu machen. Doch die Zugänge zu Jobs auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sind schwierig.
Stellenausschreibungen besser formulieren
Das fängt schon bei der Stellenausschreibung an. Zwar ist die Klausel „Schwerbehinderte Bewerber:innen werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt“ mittlerweile Standard. Aber es braucht für Bewerberinnen und Bewerber mehr als leere Phrasen. Eine Ansprechpartnerin im Unternehmen für Fragen zur Barrierefreiheit oder Arbeitsplatzanpassung beispielsweise oder schlicht die Information, ob es Aufzüge am Arbeitsort gibt, entsprechende Toiletten oder etwa Ruheräume. Arbeitgeber, die solche Informationen schon am Anfang des Bewerbungsprozesses bereitstellen, zeigen, dass sie sich mit dem Thema beschäftigt haben. Ein Indikator zumindest für eine Arbeitsstelle, die Inklusion nicht nur auf dem Papier bewirbt.

Es gibt Beschäftigungsmodelle und Unterstützungsformen, die funktionieren können und ein erster Schritt in die richtige Richtung sind, wie das Budget für Arbeit und Inklusionsunternehmen. Doch dies sind vereinzelte Leuchtturmprojekte. Zu viele Unternehmen kaufen sich weiterhin mit der sogenannten Ausgleichsabgabe frei.

Werkstätten mindern Recht auf freie Wahl der Arbeit

Und das ist nur ein Teil des Problems. Denn auch in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten viele Personen, die potenziell auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gelangen könnten. Die tauchen in der Arbeitslosenquote erst gar nicht auf. Die Menschen dort bekommen keinen Mindestlohn, da sie nur in einem arbeitnehmerähnlichen Verhältnis beschäftigt werden – als arbeitslos gelten sie damit nicht. Weniger als ein Prozent der Menschen wird von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt und das, obwohl Werkstätten sich eigentlich diesem Ziel verpflichtet haben.
Kritiker:innen der Werkstätten wollen die Menschen nicht einfach „auf die Straße setzen“, wie es manchmal Befürworterinnen und Befürworter der Einrichtungen formulieren. Sie wollen schlicht das Recht auf eine freie Wahl des Arbeitsumfeldes sichern, das seit 2009 in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben wird. Denn bisher führt der Weg für zu viele behinderte Menschen erst in die Förderschule und dann in die Werkstatt. Diese Muster müssen aufgebrochen und die Strukturen in Unternehmen müssen verbessert werden.

Das Ziel sollte sein, Inklusion ganzheitlich von Anfang an mitzudenken. Denn die fängt nicht erst auf dem Arbeitsmarkt an. Wer erst dort versucht, die Strukturen zu öffnen, droht zu scheitern"

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