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Die globale Landwirtschaft steht unter enormem Druck. Was jetzt hilft, sind faire Preise und eine mutige Reform europäischer Handelsregeln. Ein Gastbeitrag von Claudia Brück in der Frankfurter Rundschau.
„Die Situation entlang globaler Agrarlieferketten ist alarmierend: Kakaobauern in Westafrika, die kaum ihre Familien ernähren können, obwohl die Schokoladenpreise in den Supermärkten in die Höhe schnellen. Kaffeebäuerinnen in Lateinamerika, die ihre Plantagen aufgeben, weil die Erträge die Kosten nicht mehr decken. Voranschreitendes Höfesterben in Deutschland. Hier wie weltweit können Landwirtinnen und Landwirte kaum von ihrer Arbeit leben. Der gemeinsame Nenner ist ein strukturelles Problem. Die Preise, die Betriebe für ihre Erzeugnisse erhalten, decken vielerorts nicht einmal die Produktionskosten.
Nicht nur Landwirtschaft braucht Fairness
Die Frage ist nicht, ob wir uns faire Preise leisten können, sondern was passiert, wenn wir es nicht tun. Kaufen Hersteller und Handel Rohstoffe weiter zu Dumpingpreisen ein, verschlechtert sich die Situation der Produzentinnen und Produzenten ungebremst. Sie können nicht in ihre Betriebe investieren, um auf die vielfältigen Herausforderungen zu reagieren. Die Folge: Das Angebot wird knapper, die Preise für Endverbraucherinnen und -verbraucher steigen und am Ende verlieren alle. Dabei sind es nur wenige Cent mehr, die den Einkaufspreis fairer machen. Wenige Cent, die Lieferketten stabiler und Landwirtschaft zukunftsfähig machen können.
Faire Preise als Sicherheitsnetz
Die Lösung ist naheliegend: faire Preise. Sie decken die Kosten einer nachhaltigen Produktion, ermöglichen existenzsichernde Einkommen und stärken die Resilienz von Agrarlieferketten. Genau das wird vielen Landwirtinnen und Landwirten weltweit verwehrt. Unternehmen, die auf unfaire Handelspraktiken setzen, um ihre Margen zu maximieren, zerstören damit nicht nur die Lebensgrundlage der Erzeugerinnen und Erzeuger. Sie gefährden auch die Zukunft der Landwirtschaft und riskieren Preisanstiege für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Faire Preise sind möglich
Das globale Fairtrade-System zeigt seit Jahrzehnten, dass faire Preise möglich sind. Mindestpreise schützen vor Preisschwankungen, Prämien fließen in Investitionen für Bildung, Klimaanpassung und Produktivitätssteigerung. Doch der Faire Handel deckt nur einen Bruchteil des Marktes ab. Die meisten Händler und Hersteller zahlen weiterhin Preise unter den Produktionskosten und untergraben damit ihr eigenes Geschäft, wie zuletzt die explodierenden Schokoladenpreise gezeigt haben. Dass es anders geht, zeigt aktuell Lidl. Der Discounter bezieht den Kakao für seine Eigenmarken-Schokolade inzwischen über Fairtrade zu existenzsichernden Preisen – ohne die Produkte im Supermarkt teurer zu machen. Ein Beweis, dass faire Preise kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit sind. Noch ist das die Ausnahme.
Die Politik ist gefragt
Die geplante Reform der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP) bietet jetzt die Chance, den Einkauf landwirtschaftlicher Produkte unterhalb der Produktionskosten zu verbieten, für den Handel innerhalb der EU ebenso wie für Importe. Länder wie Belgien, Frankreich, Italien oder Spanien haben solche Regelungen bereits eingeführt.
Die EU-Reform könnte diese Ansätze nun europaweit verbindlich machen. Das wäre ein Meilenstein für faire Lieferketten. Denn ohne faire Preise gibt es keine nachhaltige Landwirtschaft und langfristig keine Versorgungssicherheit. Die Reform ist eine historische Chance, Landwirtschaft gerecht und zukunftssicher zu gestalten – zum Vorteil von Erzeugerinnen und Erzeugern und Verbraucherinnen und Verbrauchern. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Organisationen appelliert Fairtrade deshalb an die Politik, diese Reform für eine fairere Landwirtschaft zu nutzen“.
Claudia Brück ist Vorständin Kommunikation und Politik bei Fairtrade Deutschland.
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