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In einem TikTok-Video wollte eine Sprecherin der Bildungsstätte Anne Frank über einen antisemitischen Begriff aufklären. Sie wurde zum Ziel antisemitischer Beleidigungen.
Die Bildungsstätte Anne Frank ist nach eigenen Angaben als Reaktion auf einen TikTok-Beitrag Ziel einer Vielzahl von sexistischen und antisemitischen Beschimpfungen geworden. Es gehe um einen Beitrag, in dem eine Sprecherin über antisemitische Begriffe in der digitalen Fitness- und Ernährungsszene aufgeklärt habe, teilte die Bildungsstätte in Frankfurt mit.
In dem TikTok-Beitrag sei es um den von Antisemiten und Rechtsextremen verwendeten Begriff »Goyslop« gegangen. Der Begriff setzt sich aus dem jiddischen Wort »Goy« (übersetzt mit Nichtjude) und dem englischen »Slop« (übersetzt mit Fraß) zusammen. Der Begriff beziehe sich auf die Behauptung, dass jüdische Akteure absichtlich minderwertige Nahrung produzierten, um nicht jüdische Menschen krank zu machen und gefügig zu halten.
Bildungsstätte beklagt »menschenverachtende Hetze«
Deborah Schnabel, die Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, sagte, dabei handele es sich um eine moderne Variante der Brunnenvergifter-Erzählung, die auf das Supermarktzeitalter übertragen würde. Der Begriff sei aus der rechtsextremen Szene im Netz in die Ernährungs- und Fitnessszene übergegangen, wo er für industriell gefertigte Nahrungsmittel verwendet werde.
Das Video habe eine »Flut antisemitischer, sexistischer und grenzverletzender Nachrichten« nach sich gezogen, in einer »Menge und Härte«, wie es die Bildungsstätte zuvor noch nicht erlebt habe, teilte die Organisation mit. Das »Ausmaß an offenem Antisemitismus und die menschenverachtende Hetze gegen unsere junge Kollegin« habe die Bildungsstätte überrascht und zutiefst verstört, sagte Direktorin Schnabel.
Auf das Video haben nach Darstellung der Bildungsstätte auch reichweitenstarke Fitness- und Ernährungs-Influencer reagiert und sich an den antisemitischen Äußerungen beteiligt. Die Hassreaktionen der Influencer und ihrer Anhänger auf das Erklärvideo bestätigten dessen Kritik.
Auch Reaktionen der Plattformen unzureichend
Der Fall zeige auch, dass die automatisierten Sicherheitsfilter der Plattformen wie TikTok nicht in der Lage seien, Antisemitismus in Memes und Bildern herauszufiltern, kritisierte Schnabel. So habe etwa Instagram nach der Meldung die feindseligen Kommentare zunächst gelöscht, dann aber wiederhergestellt. Influencer streuen laut der Bildungsstätte antisemitische Motive oft beiläufig ein. Das Fischen von Anhängern durch Verschwörungserzählungen steigere die Reichweite und den Ertrag von Influencern, stärke aber gleichzeitig Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit.
Die 1994 gegründete Bildungsstätte Anne Frank ist bundesweit aktiv, die Einrichtung hat ihren Sitz in Frankfurt. Sie will Kinder, Jugendliche und Erwachsene für Antisemitismus, Rassismus und andere Formen der Menschenfeindlichkeit sensibilisieren und setzt sich für Demokratiebildung ein.
Quellen: DIE ZEIT, dpa, epd, pip
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